In der Islamischen Republik Iran ist einiges verboten, was in Deutschland und Europa unproblematisch ist. Alkohol zum Beispiel oder Homosexualität. Es gibt dort auch strenge Kleidungsvorschriften.
Bald könnte im Iran ein neues Gesetz hinzukommen. Eines, dass den Besitz von Haustieren unter Umständen untersagen könnte.
Die Vorschrift, die laut der britischen BBC schon bald vom iranischen Parlament gebilligt werden könnte, soll angeblich auf den Schutz der Bevölkerung abzielen – das legt zumindest der Titel nahe: "Plan zum Schutz der öffentlichen Rechte vor schädlichen und gefährlichen Tieren". 75 Abgeordnete haben den Entwurf unterzeichnet.
Schon jetzt sei das Gassigehen in Parks in der Hauptstadt Teheran verboten, so die BBC. Es sei eine Maßnahme zum "Schutz der Öffentlichkeit".
Der Gesetzentwurf sieht nach Angaben des Senders vor, dass der Besitz von Haustieren einer Genehmigung unterliegen soll, die von einem Sonderausschuss ausgestellt wird. Es würde auch eine Mindeststrafe von rund 790 Euro für "Einfuhr, Kauf und Verkauf, Transport, Züchtung und Haltung" einer Reihe von Tieren geben, darunter gewöhnliche Haustiere wie Hunde, Schildkröten, Mäuse und Kaninchen. Das Tier werde zudem "konfisziert".
Sogar Katzen – und damit auch die zumindest dem Namen nach vor dort stammende Perserkatze – würden unter das Gesetz fallen.
Die Autor:innen des Gesetzesvorschlages verurteilen das Zusammenleben von Menschen mit domestizierten Tieren als "zerstörerisches gesellschaftliches Problem", wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete. Das Phänomen, erklären sie, könne "die iranische und islamische Lebensweise allmählich verändern", indem es "menschliche und familiäre Beziehungen durch Gefühle und emotionale Beziehungen zu Tieren ersetzt".
Den Gesetzentwurf für das Haustierverbot gibt es schon seit Ende 2021 – und schon damals hat er für Empörung gesorgt. "Meine Katze ist nicht gefährlich", sagte ein Besitzer eines Haustierbedarfsladens in Teheran der AFP im Dezember.
Und auch jetzt sorgt das geplante Gesetz für Kopfschütteln bei den Iraner:innen. Viele fürchten um ihre geliebten Vierbeiner. "Die Debatten um dieses Gesetz begannen vor mehr als einem Jahrzehnt, als eine Gruppe iranischer Abgeordneter versuchte, ein Gesetz zu fördern, um alle Hunde zu beschlagnahmen und sie Zoos zu geben oder sie in Wüsten zu lassen", sagte Dr. Payam Mohebi, Präsident der iranischen Veterinärvereinigung und ein Gegner des Gesetzentwurfs, der BBC.
"Im Laufe der Jahre haben sie das ein paar Mal geändert und sogar über körperliche Bestrafung von Hundebesitzern diskutiert." Er hält den Gesetzentwurf für "peinlich". Wenn das Parlament das Gesetz verabschiedet, werden sich die nächsten Generationen an uns als Menschen erinnern, die Hunde verboten haben, weil sie Hunde sind, und Katzen, weil sie Katzen sind."
Trotz des öffentlichen Aufschreis sind nur wenige Parlamentarier bereit, den Gesetzentwurf energisch zu verteidigen. "Ich stimme dem Projekt im Allgemeinen zu, aber ich bin sicherlich mit einigen seiner Klauseln nicht einverstanden", sagte der Vorsitzende der Justizkommission des Parlaments, Moussa Ghazanfarabadi, der den Text unterzeichnete, der AFP im Dezember.
"Es ist nur ein Gesetzentwurf, aber ob er Erfolg hat, steht auf einem anderen Blatt", sagte er.
Haustiere im Iran waren über Jahrzehnte kein Problem, sogar die Schah-Familie hatte Hunde als Haustiere, wie die BBC berichtet. Doch mit der islamischen Revolution 1979 änderte sich vieles für Haustiere und ihre Besitzer:innen. Denn Tiere, so die BBC, gelten in der islamischen Tradition als unrein. Zudem seien Hunde in den Augen des Regimes ein Symbol der "Verwestlichung", die man unterbinden wolle.
Der Iran ist nicht da einzige islamisch geprägte Land, in dem es Hunde schwer haben. Die saudi-arabische Botschaft in den USA schreibt auf ihrer Webseite, dass man für die Einfuhr von Haustieren Genehmigungen und Bescheinigungen braucht. Hunde dürften nur zur Jagd, zur Überwachung und als Blindenhunde dienen.
"Exotische und nicht heimische Tiere dürfen nicht in das Königreich Saudi-Arabien eingeführt werden, es sei denn, sie werden für offizielle Regierungszwecke verwendet. Gefährliche und aggressive Hunde wie Rottweiler und Pitbulls dürfen unter keinen Umständen in das Königreich Saudi-Arabien einreisen."
Auch andere Religionen haben offenbar Probleme mit Hunden. 2019 unterzeichneten mehrere Rabbis aus der Stadt Elad nahe Tel Aviv ein Edikt, in dem sie alle Hunde für schlecht erklärten und die Bewohner warnten, dass ihre Haltung sie verfluchen würde, wie die Zeitung "The Jerusalem Post" berichtete. Auch in der Stadt Holon sprach sich ein Rabbi gegen Hundehaltung aus. Die Mittelmeer-Metropole Tel Aviv hingegen gehört laut der "Jerusalem Post" zu den hundefreundlichsten Städten der Welt.
Weitere Quelle: Auswärtiges Amt
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